Wie kam es zur Odenwald-Akademie?

Horst Schnur

Die ersten Gespräche mit dem damaligen Präsidenten der TU Darmstadt, Professor Helmut Böhme, fanden 1987 statt und befassten sich mit Fragen des „globalen und lokalen“ Wissenschafts-  und Technologietransfers aus einem renommierten Technologiestandort in einen ländlichen Raum. Damals hatte die kleine und mittelständische Wirtschaft des Odenwaldes kaum Möglichkeiten, ihre Produktoptimierung in Verbindung mit den wissenschaftlichen Forschungsergebnissen der Universität weiterzuentwickeln. Es war die Aufbruchzeit, in der das Bemühen, Universitäten mit ihrem Forschungswissen aus ihrem "Elfenbeinturm" herauszulocken in die Anwendungspraxis der Wirtschaft auf verstärkte politische Forderungen stieß. Unterstützt wurden diese Bemühungen durch die Positionen der Industrie- und Handelskammer. Helmut Böhme war bereit, zu einem Gespräch einzuladen in dem die Idee einer Odenwald-Akademie entstand. An diesen ersten Gesprächen in den präsidialen Räumen der TU Darmstadt nahmen Winfried Heinzel teil und Professor Hans-Jochen Gamm, aus der pädagogischen Fakultät, der im Laufe der Zeit ein verlässlicher Freund und Motor der Odenwald-Akademie wurde. Schließlich wurde eine Vereinbarung unterschrieben zwischen dem Präsidenten der TU Darmstadt und dem Landrat des Odenwaldkreises, in der die Zusammenarbeit in groben Umrissen beschrieben wurde. Auf vergleichbare Modelle konnten sich die Akteure damals nicht beziehen. Es gab kein bekanntes Beispiel für vergleichbare Projekte.

1988 begann dieUnterzeichnung der Kooperationsvereinbarung Odenwald-Akademie mit den ersten Vorträgen in Bad König in der Rentmeisterei und später im historischen Rathaus in Michelstadt. Das Interesse an den Rathausvorträgen nahm zu und war themenbezogen zum Teil besser besucht als manche Vorlesungen in Darmstadt. Das Programm wurde von Professor Gamm und Winfried Heinzel in vielen Abstimmungsgesprächen innerhalb der Universität zusammengestellt. Heute werden die Rathausvorträge auditiv aufgezeichnet, solange die Referenten zustimmen und dann ins Internet gestellt, damit sie im Nachhinein gehört werden können.

Nach der 24-jährigen Präsidentschaft von Helmut Böhme übernahm Professor Johann-Dietrich Wörner als nachfolgender Präsident die Aufgabe mit vollem Engagement. Er hat sich zu einem beständigen Förderer der Odenwald-Akademie entwickelt und auch nach seiner Präsidentschaft und nach seinem Übergang als Vorsitzender zur Deutschen Luft- und Raumfahrt noch immer Bereitschaft gezeigt, die Odenwald-Dialoge in hervorragender Weise zu moderieren. Auch der neue Präsident Professor Prömel war bereit, die Aufgabe der Odenwald-Akademie fortzusetzen. Nicht zu vergessen ist die organisatorische Leistung des früheren Kanzlers der TU, Dr. Hanns Seidler in seiner Rolle als oberster Verwaltungschef, der nach seinem Ruhestand diese in die Hände seines Nachfolger Dr. Manfred Efinger gelegt hat.
Seitdem die Kommunalaufsicht immer stärker darauf gedrängt hat, Kosten für freiwillige Ausgaben im Kreishaushalt zu senken, erschien 2009 die Gründung eines Fördervereins Odenwald-Akademie zweckmäßig. Es wurde eine Satzung verabschiedet und Landrat a.D. Horst Schnur und Vizepräsident Professor Anderl als Stellvertreter an die Spitze des Vorstands gewählt. Durch eine namhafte Spende der Sparkasse Odenwaldkreis konnte der finanzielle Grundstock für die laufende Finanzierung der Aufgaben der Odenwald-Akademie gelegt werden.

Man kann heute feststellen, dass die Verbindung zwischen dem Odenwaldkreis und der TU Darmstadt in der Form der Odenwald-Akademie auf vielfältigen Wegen hilfreich war und neben dem Technologie- und Wissenschaftstransfer auch in der Politikberatung wichtige Hilfestellungen gegeben hat.

Globale und lokale Leistungsprinzipien ließen sich durchaus miteinander vereinbaren, sagte Professor Anderl im Jahr 2008 beim 20-jährigen Jubiläum, und zeigte sich davon überzeugt, dass regionaler Einsatz die globale Bewegung fördere. Darin liege die „überaus attraktive Chance“ des Wissenstransfers. Die Voraussetzungen dafür seien gegeben, wenn die regionalen Entscheider und Macher sowohl Offenheit, Flexibilität und rasches Reaktionsvermögen zeigten. Nur so seien Forschungsergebnisse gemeinsam mit unternehmerischem Engagement zu produktiver Marktreife zu führen. Das Fundament müsse in komplementären Strategien liegen, deren Strukturen aus lokal-regionalen Netzwerken erwachsen können. Vor diesem Hintergrund gelte für die Odenwald-Akademie, dass Erreichtes bewundert werden dürfe.