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„Weckruf zum Wandel“ für nachhaltigere Fahrzeuge

Wer mit seinem Auto unterwegs ist, macht sich normalerweise wenig Gedanken um die Beschaffenheit der Vorderachse. Anders Felix Koch. Er hat sich in seiner Masterarbeit an der TU Darmstadt intensiv damit auseinandergesetzt, wie jene Achse beschaffen sein muss, damit sie besonders lange hält beziehungsweise gut zu reparieren ist. Dafür ist der 26 Jahre alte Breuberger am Mittwochabend (28.1.) in Erbach mit dem Preis der Odenwald-Akademie 2025 ausgezeichnet worden.

Rüdiger Holschuh, Vorsitzender des Fördervereins der Akademie, überreichte Koch im Haus der Energie/Volksbank-Atrium die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung und würdigte dessen wissenschaftliche Leistungen – ebenso wie Landrat Frank Matiaske, die beiden Repräsentanten der TU Darmstadt, Vizepräsident Prof. Dr. Thomas Walther und Jörn Hasenkrug vom Fachgebiet Fahrzeugtechnik, sowie Thomas Michel, Chief Technical Officer der Pirelli Deutschland GmbH.

Felix Koch hatte zunächst ein Duales Bachelorstudium an der DHBW Mannheim in Kooperation mit Pirelli in Breuberg absolviert. Für das anschließende Masterstudium an der TU Darmstadt wurde er von dem Unternehmen freigestellt. Dieses Studium schloss er Ende März 2025 mit jener Arbeit ab, für die er nun den Akademie-Preis bekommen hat. Seit Anfang April 2025 arbeitet er wieder bei Pirelli in der Reifenentwicklung. Landrat Matiaske sagte, dieser Werdegang sei ein „leuchtendes Beispiel dafür, dass junge Menschen mit Odenwälder Wurzeln nach dem Studium im Odenwaldkreis eine hochqualifizierte, attraktive Arbeit finden“. Zugleich zeige er „die hervorragenden Aufstiegsmöglichkeiten eines Dualen Studiums, das Wirtschaft und Wissenschaft hervorragend kombiniert“.

 

"Fahrzeuge müssen nachhaltiger gebaut werden, damit sie länger gefahren werden können.“

Felix Koch

Koch sieht in der zunehmenden Alterung der Fahrzeuge in Deutschland einen „Weckruf zum Wandel“, wie er im Rahmen der Preisverleihung betonte. Ein Grund für die längere Nutzung von Autos seien deren gestiegene Kosten, so dass Verbraucher mit dem Kauf eines neuen Fahrzeugs warteten. „Die Folge ist: Fahrzeuge müssen nachhaltiger gebaut werden, damit sie länger gefahren werden können.“

Er plädierte dafür, bei den Vorderachsen mehr Gewicht auf deren Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit zu legen. Diese Ziele würden gegenüber anderen bisher weniger priorisiert, zum Beispiel dem Einbau von relativ günstigen oder leichten Teilen. „Das hat natürlich auch Vorteile, trägt aber nicht zur Langlebigkeit der Achsen bei, denn solche Bauteile ermüden schneller.“ Koch sieht nicht nur im Material, sondern auch in der Konstruktion Verbesserungspotential: „Die Achsen sollten so konzipiert werden, dass Werkstattmitarbeiter Reparaturen einfacher durchführen können. Das heißt vor allem, dass der so genannte Bauraum vergrößert werden müsste. Außerdem sollte es anstatt von schwer lösbaren Press- und Nietverbindungen mehr Schraubverbindungen geben.“

Felix Koch präsentiert seinen Vortrag

Felix Koch präsentiert seinen Vortrag "Wenn das Optimun zum Problem wird - Fahrwerksentwicklung im Spannungsfeld von Leistung und Lebensdauer"

Kochs Forschungsergebnisse sind an der TU Darmstadt in das Projekt „Darmstadt Circular Changeable Car“ (DACCCar) eingeflossen, in dem an der Entwicklung langlebiger und kreislauffähiger Fahrzeugkonzepte gearbeitet wird. „Es freut mich sehr, dass ich hierzu einen Grundlagen-Beitrag leisten konnte.“

Jörn Hasenkrug, der Kochs Masterarbeit betreut hat, lobte das breite Wissen über ingenieurtechnische Methoden und die außergewöhnlich selbstständige Arbeit des Geehrten. Für Pirelli gratulierte ihm Thomas Michel. Das Unternehmen, das großen Wert auf Nachhaltigkeit lege, sei stolz auf Koch, dem eine berufliche Zukunft bei Pirelli offenstehe.

Die Jury hatte Felix Koch Anfang Dezember 2025 aus sechs Nominierten ausgewählt. Ihr gehören die TU-Professoren Thomas Walther und Hans-Joachim Linke sowie der Fördervereins-Vorsitzende Rüdiger Holschuh an. Wie Holschuh hob auch Landrat Matiaske die Bedeutung von Kochs Arbeit für den ländlichen Raum hervor: Weil der Individualverkehr weiter eine große Rolle spiele, seien Konzepte zur Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit von Autos ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Odenwaldkreises.

Den Preis vergibt die Odenwald-Akademie seit 2013 alle zwei Jahre. Bis heute wurde der Preis sieben Mal vergeben, insgesamt wurden 41 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Darmstadt von ihren Professorinnen und Professoren nominiert. Die Preisverleihungen wie auch die anderen Veranstaltungen der Akademie werden von Raquel Jarillo vorbereitet; für diese Arbeit dankte ihr Landrat Matiaske ausdrücklich.

Ausgezeichnet: Felix Koch mit der Urkunde in der Hand. Ihm gratulieren (von rechts) Landrat Frank Matiaske sowie die drei Mitglieder der Preis-Jury Rüdiger Holschuh, Vorsitzender des Fördervereins der Odenwald-Akademie, Prof. Dr. Thomas Walther, Vizepräsident der TU Darmstadt, und Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Linke, TU Darmstadt, und Raquel Jarillo von der Odenwald-Akademie. Foto Stefan Toepfer/Kreisverwaltung

Ausgezeichnet: Felix Koch mit der Urkunde in der Hand. Ihm gratulieren (von rechts) Landrat Frank Matiaske sowie die drei Mitglieder der Preis-Jury Rüdiger Holschuh, Vorsitzender des Fördervereins der Odenwald-Akademie, Prof. Dr. Thomas Walther, Vizepräsident der TU Darmstadt, und Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Linke, TU Darmstadt, und Raquel Jarillo von der Odenwald-Akademie. Foto Stefan Toepfer/Kreisverwaltung