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Hochwasserschutz geht uns alle an!

Wie wichtig technisches Know-how, jahrzehntelange Planung und der Blick für die Ökologie in unserer Region sind, zeigten unsere zwei exklusiven Führungen. Gemeinsam mit Matthias Sottong, dem Geschäftsführer des Wasserverbandes Mümling und des Gersprenzgebietes, blickten zahlreiche interessierte Teilnehmende hinter die Kulissen zweier zentraler Schutzanlagen: das Hochwasserrückhaltebecken Marbach sowie den Retentionsraum Schönnen.

Die Führung im Juni zum Hochwasserrückhaltebecken Marbach war restlos ausgebucht und führte sogar zu einer Warteliste. Besonders erfreulich: Auch ein Leistungskurs des Gymnasiums Michelstadt zeigte großes Interesse, für den kurzerhand ein Zusatztermin organisiert wurde.

Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses am Gymnasium Michelstadt begeben sich über eine Leiter in den Schacht.

Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses am Gymnasium Michelstadt begeben sich über eine Leiter in den Schacht.

Die Teilnehmenden erhielten tiefe Einblicke in das hochmoderne Prozessleitsystem und die komplexe Messtechnik. Absolutes Highlight war die Begehung des tiefen Bereichs unterhalb des Staudamms sowie der direkte Weg zum Entlastungsturm. Dieser wurde seinerzeit in enger Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt entwickelt. Seit 1993 erzeugt eine Turbinenanlage Strom aus Wasserkraft – einen Teil davon nutzt die Anlage selbst. Der Stausee fasst aktuell 700.000 m³ Wasser, ist 8,2 m tief und Lebensraum u.a. für Zander, Regenbogenforellen und Welse.

Herr Sottong erläutert den Teilnehmenden das hochmoderne Prozessleitsystem.

Herr Sottong erläutert den Teilnehmenden das hochmoderne Prozessleitsystem.

Die zweite Führung im August zeigte Wissenswertes rund um den Retentionsraum in Schönnen. Rund 20 interessierte Teilnehmende waren unserer Einladung gefolgt und erhielten direkt vom Geschäftsführer des Wasserverbandes spannende Hintergrundinformationen in eine wichtige Hochwasserschutzmaßnahme nördlich von Erbach. Das Hochwasserrückhaltebecken Erbach-Schönnen an der Mümling ist ein sogenanntes „grünes Becken“: Es hat keinen dauerhaften Wasserstau, sondern hält bei starken Regenereignissen zeitweise Wasser zurück und puffert so Spitzenabflüsse. Insgesamt können bis zu 85.000 m³ Wasser zurückgehalten werden. Das schafft wertvolle Zeit für Warnungen, Vorbereitungen und weitere Schutzmaßnahmen.

Vor der Anlage erläutert Herr Sottong den Teilnehmenden Details zum Retentionsraum.

Vor der Anlage erläutert Herr Sottong den Teilnehmenden Details zum Retentionsraum.

Dabei werden Hochwasserschutz und Ökologie gemeinsam gedacht: Die Maßnahme fügt sich in die Landschaft ein und die Fischdurchgängigkeit bleibt erhalten. Wie wichtig durchgängige Gewässer für unsere heimischen Arten sind, zeigt auch unser Vortrag zur Fischdurchgängigkeit am 3. November.

Die Umsetzung des Projekts war ein langer Prozess: 1968 entstand der erste Entwurf, 2018 begann der Bau und 2022 war die letzte Ausschreibung.  Die Baukosten belaufen sich auf 5,6 Mio., wobei 4,2 Mio. € davon gefördert wurden. Eine vorläufige Betriebserlaubnis liegt vor: Nach weiteren Vorbereitungen an der vorhandenen Infrastruktur folgt bald der offizielle Probestau über fünf Tage. Dabei müssen auch ökologische Aspekte wie Brut- und Setzzeit sowie Fischlaichzeiten berücksichtigt werden.

Die Gruppe steht auf der Anlage und schaut von oben auf die Retentionsbecken.

Die Gruppe steht auf der Anlage und schaut von oben auf die Retentionsbecken.

Die vielen Fragen und Gespräche vor Ort haben gezeigt: Hochwasserschutz lebt vom Wissen, vom Austausch und vom gemeinsamen Blick auf die Herausforderungen unserer Region. So wird in Folge dieser Exkursionen auch ein Vortrag am 1. Oktober zum Thema „Überschwemmung & Hochwasser – Vorbereitung ist alles!“ angeboten. Hier wird die Wasserbehörde gemeinsam mit dem Wasserverband und dem Katastrophenschutz wichtige Zusammenhänge und Informationen vermitteln.

Anlage am Mühlgraben mit Damm und Retentionsfläche im Hintergrund.

Anlage am Mühlgraben mit Damm und Retentionsfläche im Hintergrund.